Wieder mal da!
Zum diesjährigen Frühlingstreffen zog es uns erneut in die Ländliche Heimvolkshochschule im Kloster Donndorf.
Die Siedlung Kloster Donndorf, die sich im Laufe der Jahre um das ehemalige Zisterzienser-Kloster gebildet hat,
liegt südlich vom Ort Donndorf im Unstruttal auf einer kleinen Anhöhe der "Hohen Schrecke".
Umgeben von Wäldern und Feldern bietet sich von hier auch ein wunderbarer Blick über einen großen Teil des Unstruttals.
Wie beim ersten Mal, es war einfach schön hier. Dieses Jahr im Neubau-Trakt untergebracht, gab es auch wieder reichlich Raum für
die Arbeit und das Beisammensein. An der guten Versorgung hatte wohl außer Hund Ina (der Teckel von Hans-Jörg Meuth - es haben
einfach die Knochen gefehlt) niemand etwas auszusetzen gehabt. Das Umfeld der Unterkunft war mit dem "Klostergarten", Grünflächen mit
reichlich Sitzgelegenheiten an der frischen Luft und dem Barfußweg auch wieder sehr angenehm.
Nachdem wir am Freitag auch die letzte Teilnehmerin eingesammelt hatten, konnten wir auf eine entspannte Zeit blicken.
Die Geschichte vom Kloster über die Knabenschule bis hin zur heutigen Heimvolkshochschule war schon beim letzten Mal ausführlich behandelt
(siehe Bericht 2024 im Rundbrief Nr. 85), so dass ich mich auf unser diesjähriges Frühjahrstreffen konzentrieren möchte.
Nach Begrüßung und Einweisung in die Hausmodalitäten durch die Wochenend-Heimleiterin Lena hatten wir am Freitag noch einen netten
gemeinsamen Abend. 22:00 Uhr waren dann auch alle ECHO-Mitglieder eingetroffen, so dass die Gespräche sprudeln konnten.
Zu früher Stunde wurde 7:45 Uhr vom Haus zur Andacht geladen. Erst bei der Führung durch das Objekt sollten wir erfahren, das die jungen
und die alten Nonnen des Zisterzienserklosters hier bereits um 2:00 Uhr ihre ersten Tagesgebete führten.
Lena (sie bestand auf das klösterliche "Du"), die Hausleiterin des Wochenendes, versuchte uns mit guten Gedanken auf den bevorstehenden Tag einzustimmen.
Am Ende waren wir alle um eine Bohne reicher, die wir mit nach Hause nehmen durften, um sie eventuell irgendwo einzupflanzen.
Nach dem Frühstück kehrten wir in unseren Gruppenraum zurück, um bei der Vollversammlung uns wieder heiß zu diskutieren.
Nach der Begrüßung wurde Sabine Franz zur Versammlungsleiterin gewählt, die dann auch sofort die ordnungsgemäße Einberufung
und die Beschlussfähigkeit der Vollversammlung feststellte. Der Rechenschaftsbericht war ausführlich aufgestellt und auch an Uwes
perfekt aufgestellten Zahlen gab es nichts zu mäkeln. So konnte der Vorstand ohne Gegenstimmen entlastet werden (bei Stimmenthaltung der Vorstandsglieder).
In der anschließenden Diskussionsrunde ging es um ein leidiges Thema: ausstehende Mitgliedsbeiträge. Die Arbeit von ECHO, die ja allen zugute kommt,
muss ja auch irgendwie finanziert werden. Da können ausstehende Beiträge schon recht weh tun. Daher soll hier ein strengeres Mahnsystem eingeführt werden.
Auch über den Umgang, mit Alt-Mitgliedern wurde nachgedacht. Da diese oft nicht mehr an der Gruppenarbeit teilnehmen können, aber uns nahe bleiben sollen,
soll hier über eine Ehrenmitgliedschaft nachgedacht werden.
Genauere Modalitäten konnten dieses Mal noch nicht beschlossen werden und sollen Inhalt der nächsten Vollversammlung sein.
Nach dem Essen war das Programm nicht weniger dicht. Lena vom Heim hatte eine Führung durch das Kloster mit seinem nahen Umfeld organisiert.
Es gab einen schönen Überblick. Viele alte Häuser und Mauern waren zu sehen. Und es gab für die, die bereits schon mal da waren,
auch die eine oder andere neue Information.
Vom Kloster ging es dann ins Kloster. Nicht weit weg kann man in Memleben einige Teile einer sehr alten Klosteranlage besichtigen.
Dank der netten Führung und unserer Funkmikroportanlage konnten wir bis tief in die Ottonische Zeit eintauchen.
Im 10. Jhdt. weilten die deutschen Kaiser gerne in der Kaiserpfalz Memleben. Von dieser ist nichts mehr erhalten und man weiß auch nicht genau, wo sie lag.
Der Sohn von Otto dem I., Otto der II., stiftete zu Ehren seines hier verstorbenen Vaters zusammen mit seiner Frau Theophanu 979 dann das Kloster Memleben.
Es wurde von ihm reich ausgestattet und bekam eine sehr große Kirche. Von dieser ist nach all den Jahren nicht mehr viel vorhanden.
Es gibt nur noch Reste des Südportals mit ein paar Mauerfragmenten. Anhand bei Ausgrabungen gefundener Fundamente konnte der Grundriss ermittelt werden.
Dieser wurde an seiner ursprünglichen Stelle im Belag eingepflastert und verdeutlichte eindrucksvoll die Größe der Kirche.
Die Bedeutung des Klosters sank unter Heinrich dem II. und so entschloss man sich im Niedergang schon im 12. Jhdt. zum Bau einer kleineren Klosterkirche.
Der Bau dieser Kirche durchlebte zwei Epochen. Die ersten Teile sind noch romanisch beeinflusst. Weite Teile besitzen aber schon deutlich die gotischen Formen.
Zu einem Kloster gehörte auch ein Garten. In einem kleinen Pedanten, der neben der Kirche angelegt wurde, erfuhren wir viel über die damalige Versorgung.
Durch Hochbeete sollte der Ertrag erhöht und die Sonnenwärme besser genutzt werden. Arbeit konnte leichter gestaltet werden.
Auch diese Kirche ist nur noch als Ruine erhalten. Nach dem Bauernkrieg wurde die Anlage in ein Landgut umgewandelt, die Kirche diente als Scheune.
Nach einem Blitzschlag wurde die Kirche nicht wieder aufgebaut und verkam zur romantischen Ruine. Wahrscheinlich wäre sie völlig eingestürzt,
wenn nicht durch einen Zufall der preußische Geheime Oberbauassessor Karl Friedrich Schinkel zu einem geheimnisvollen Kartoffelkeller gerufen wurden wäre.
Er erkannte sofort, dass es sich um eine bedeutende Krypta handelte und stellte die Gesamtanlage unter Schutz.
So sind wir zu einer hoch interessanten Führung gekommen und konnten viele alte Gebäudeteile und die gut erhaltene Krypta besichtigen.
Zum Schluss gab es im klostereigenen Cafeé noch etwas für Leib und Seele. Wer noch nicht genug hatte, fuhr noch zur Burg Wendelstein.
Eine sehr alte Festung, die bereits nach dem Dreißigjährigen Krieg aufgegeben wurde.
Katakomben, Reste der Kirche und der Wehranlagen sind noch aus dieser Zeit erhalten. Seit unserem letzten Besuch 1990 konnten wir nur feststellen,
dass der Verfall weiter gegangen ist. Belohnt wurden wir trotzdem mit einem weiten Blick ins Unstrut-Tal.
Wer nun aber glaubte, dass wir nun weit genug in die Vergangenheit gereist sind, hat die Rechnung ohne Jörg (Meuth) gemacht.
Nach dem Abendbrot hielt dieser einen nicht minder interessanten Vortrag über Kunst in der Steinzeit bereit. In Südfrankreich, ganz in seiner Nähe,
wurde durch Zufall 1994 die Chauvet-Höhle mit sehr alter Höhlenmalerei entdeckt. Sie liegt etwa drei Kilometer entfernt von der Kleinstadt Vallon-Pont-d´Arc.
Die Höhle selber wurde für Besucher wieder geschlossen, um die Bilder für nachfolgende Generationen weiter zu erhalten.
In unmittelbarer Nähe wurde jedoch mit modernster Technik eine zu besichtigende Kopie errichtet, die vollkommen authentisch ist.
Mit vielen Bilder unterlegt, erhielten wir einen guten Einblick, mit wie viel Detailsinn die Menschen bereits vor über 30.000 Jahren ihre Kunst betrieben.
Auf den Zeichnungen waren viele Einzelheiten von Menschen und Tieren zu erkennen. Und jetzt wissen wir, dank der Fotos von Jörg und seiner Kommentare auch,
wie die Wollnashornkuh den Wollnashornochsen zum "Kinobesuch" verführte.
Danach untereinander wieder viele "Gute Nachtgeschichten", bevor ein jeder in sein Bettchen verschwand.
Am letzten Tag, dem Sonntag, hielt Jörg eine Andacht um Matthäus 14,22-32.
Der mit ihm befreundete Maler Gérard Lattier hat dazu ein vierteiliges Bild geschaffen. Der Maler hat in seinen Erklärungen dazu den Bibelspruch leicht
verändert und mit einer anderen Überschrift versehen als die alten Übersetzer.
Man soll aus seinem Bildern heraus begreifen, dass die Botschaft eine hoffnungsvolle und freudige Botschaft ist und nichts deprimierendes hat.
Wir müssen an Gott und Jesus glauben, um alle unsere Kräfte aus unserem Glauben zu erkennen.
Nur mit dem Vertrauen darauf können wir diese Kräfte freisetzen und in unser Leben gehen.
Um dies nicht zu vergessen, durfte jeder von uns eine Karte mit den vier Bildern mit nach Hause nehmen.
Nach dem Mittagessen begannen dann wieder recht schnell das große Verabschieden. Alle begannen sich wieder in die Welt zu verlaufen.
Bleibt nur noch, uns auf ein Wiedersehen im Herbst in Hohenstein-Ernstthal zu freuen.
Wolfgang Eckoldt